Das Wörter Buch des Windes von Nina Blazon – Rezension und Interview

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Buch hat mich die halbe Nacht nicht schlafen lassen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht.

Worum geht’s?

Die Bankerin Swea fliegt mit ihrem Mann Henrik, einem Künstler, nach Island. Sie wollen einen Neuanfang in ihrer Ehe starten. Aber alles kommt anders als geplant. Svea entdeckt, dass ihr Mann sie  betrogen hat. Nach einem heftigen Streit weiß Svea zunächst nicht wohin. Und landet zufällig bei einem älteren Herren namens Einar, der sie freundlicherweise in seinem Sommerhaus aufnimmt. Wo es ein verschlossenes Zimmer gibt und es scheint, als würde ein Geist dort umgehen.

Nach einer Phase der Trauer stellt Swea ihr bisheriges Leben in Frage. Wollte sie nicht auch Künsterin werden? Ein ganz anderes Leben führen? Sie stürzt sich in das Nachtleben Rejkjaviks und in kurze Affairen. Letzlich begreift sie aber, dass sie von alten Vorstellungen lösen und Entscheidungen für ein neues Leben treffen muss.

Fazit

Ich habe es eingangs schon beschrieben: Das Buch hat mir sehr gefallen. Ich hatte es ursprünglich bei NetGalley ausgewählt, weil es auf Island spielt. Eine Insel, die ich schon immer einmal besuchen wollte und die mich fasziniert. Und die Faszination Islands macht auch einen großen Teil der Stärke des Buches aus. Man erfährt viel über die Isländer und ihre Art zu leben und zu lieben, über die Natur, die Mythologie, über Kunst. Und Pferde. Das Buch ist sehr vielseitig, ohne das die Autorin ihre Hauptfigur Swea aus den Augen lässt.  Letzlich geht es in dem Buch darum loszulassen und zu sich selbst zu finden. Im Anschluss findet ihr ein Interview mit Nina Blazon und erfahrt, was sie mit Island verbindet.

Titel: Das Wörter Buch des Windes

Autorin: Nina Blazon

ISBN-10 : 3864931479

ISBN-13 : 978-3864931475

Herausgeber Ullstein Paperback; 1. Auflage (28. September 2020)

Interview mit Nina Blazon

In dem Buch erfährt man viel über Island. Haben Sie dort gelebt oder dort längere Zeit dort verbracht?

2008 durfte ich als Autorin an einem internationalen Literaturfestival in Reykjavík teilnehmen. Es war mein erster Besuch auf Island und ich habe mich sofort in diese Insel verliebt. (Bei diesem Festival hatte ich übrigens auch die Ehre, Dr. Terry Gunnell kennenzulernen, der im Buch ja auch einen Auftritt hat). In den folgenden Jahren bin ich immer wieder nach Island gereist, habe dort Freundschaften geschlossen und durfte einen Sommer lang bei einer Literaturwissenschaftlerin namens Úlfhildur in Reykjavík zu Gast sein. Durch Úlfhildur habe ich viele Einblicke in das isländische Alltagsleben bekommen – und auch so einige Anekdoten aus dem Familienkreis, was Elfen und Gespenster angeht. Von Úlfhildurs Großmutter weiß ich nun, dass Elfen sich gerne ihren teuren Seidenschal ausleihen, der rätselhafterweise tagelang verschwindet und dann wie von Zauberhand ganz hinten im Schrank wieder auftaucht.

 In dem Buch geht es um das Thema „Loslassen.“ Wie stehen Sie persönlich dazu? Fällt es Ihnen eher leicht oder schwer, loszulassen?

Für mich war es ein sehr langer Weg, das Loslassen zu lernen. Immer noch fällt es mir nicht ganz leicht, denn Festhalten bedeutet natürlich auch immer Sicherheit, die mir persönlich wichtig ist. Aber immer, wenn es mir gelingt, etwas gehen zu lassen, bin ich jedes Mal überrascht, wieviel Neues und Schönes sich ergibt, wenn man wieder „die Hände frei hat“.

Wie sind Sie auf das Thema Island gekommen?

Durch meine Reisen dorthin. Es ist einfach ein so faszinierendes Land, dass ich bei jedem Spaziergang und jeder Wanderung bereits angefangen habe, Figuren für einen Roman vor mir zu sehen und auf ihren Spuren zu gehen. Und Reyjkjavík ist ein großartiger Schauplatz für eine Geschichte über einen Neuanfang. In keiner anderen Stadt, die ich kenne, liegen Licht und Dunkel so nah beieinander, Wildnis neben moderner hipper Szenestadt, die sich immer wieder wandelt und verändert.

Die Menschen Islands scheinen, so wie Sie sie beschreiben, deutlich flexibler zu sein als bei uns in Deutschland und fühlen sich stärker mit einander und der Natur verbunden. Denken Sie, wir in Deutschland, können von den Isländern diesbezüglich etwas lernen?

Ich war sehr beeindruckt von der Lebensart der Isländer, ihrem Bewusstsein, das nichts auf Dauer angelegt ist, ihr flexibler Umgang mit den Unwägbarkeiten des Lebens. Vielleicht ist es Teil der isländischen Mentalität, weil auf dieser sturmumtosten Vulkaninsel Unsicherheit seit jeher einfach dazugehört  – unberechenbares Wetter, raue Natur, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Sturmfluten … Und vielleicht halten die Einwohner der Insel auch deshalb so fest zusammen und verstehen sich als verwobene Gemeinschaft, die sich in Notzeiten hilft und gegenseitig unterstützt. Sicher ist ein solches Selbstverständnis einfacher in einem Land mit sehr wenigen Einwohnern. Aber gerade von diesem Zusammenhalt und dem kreativen Umgang mit Veränderungen können wir, finde ich, durchaus etwas für uns mitnehmen.

Man lernt beim Lesen des Buches nicht nur viel über Island, Beziehungen und die Kunst, sondern auch etwas über Pferde. Haben Sie persönlich Erfahrungen mit Pferden?

Wie die meisten Mädchen war auch ich als Teenager von Pferden begeistert und habe in dieser Zeit reiten gelernt. Seitdem hatte ich wenig Gelegenheit dazu, aber als ich in Island war, habe ich mich gerne wieder in den Sattel geschwungen. Doch das Fachwissen zu den Besonderheiten der klugen und zähen Wikingerpferde habe ich mir für den Roman aus dem wunderbaren Buch „Eismähne – Wie isländische Pferde den arktischen Winter überleben“ von Carolin Kerstin Mende geliehen.

Herzlichen Dank für das Interview!

2 Kommentare zu „Das Wörter Buch des Windes von Nina Blazon – Rezension und Interview

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